Ein elektrotechnisches Abitur oder ein Gesellenbrief weist die entsprechende Berufsausbildung nach. Allein berechtigt ein solcher Abschluss jedoch nicht dazu, selbstständig an elektrischen Anlagen zu arbeiten. Die Frage „Wie lange gilt der Elektro-Nachweis nach dem Abitur?“ beruht daher auf einer falschen Annahme: Das Abschlusszeugnis verfällt nicht, verleiht für sich genommen aber auch keine Befugnis. Die Frist bezieht sich auf den Prüfungsnachweis: Gemäß § 19 Abs. 2 Buchst. b) des zákon č. 250/2021 Sb. gilt er drei Jahre ab dem Ausstellungsdatum. Das nařízení vlády č. 194/2022 Sb. selbst nennt keine Gültigkeitsdauer; diese wird durch das Gesetz festgelegt.
Die heutigen Regeln enthält das nařízení vlády č. 194/2022 Sb., das seit dem 1. Juli 2022 gilt. Die frühere vyhláška č. 50/1978 Sb. wurde aufgehoben. Die alte Bezeichnung „§ 6“ wird in der Praxis jedoch weiterhin verwendet. In der neuen Verordnung entspricht ihr der Elektrotechniker, also eine fachkundige Person für selbstständige Tätigkeiten. Wie die früheren Paragrafen den neuen Qualifikationen zugeordnet werden, erläutert der Artikel Vyhláška 50 gilt nicht mehr: Zuordnung der früheren Paragrafen.
Welche Anforderungen ein Elektrotechniker nach § 6 erfüllen muss
Gemäß § 6 Abs. 1 des nařízení vlády č. 194/2022 Sb. ist ein Elektrotechniker eine Person, die:
- über die fachliche Qualifikation nach § 2 Buchst. a) verfügt,
- eine den geforderten Tätigkeiten entsprechende Einweisung absolviert hat,
- die Prüfung erfolgreich bestanden hat.
Ein Elektrotechniker arbeitet selbstständig, ausgenommen besondere Fälle, die sich aus der Risikobeurteilung ergeben. Eine vorherige Berufspraxis ist keine Zulassungsvoraussetzung für die Prüfung. Die für bestimmte Tätigkeiten erforderliche Mindestpraxis legt gemäß § 6 Abs. 2 die verantwortliche Person in der örtlichen Betriebssicherheitsvorschrift fest. Wer keine elektrotechnische Praxis besitzt, muss mindestens ein Jahr lang unter Aufsicht einer fachkundigen Person arbeiten, die über wenigstens zwei Jahre Berufspraxis verfügt.
Das Abiturzeugnis oder der Gesellenbrief deckt somit nur den ersten Punkt ab. Der umgangssprachlichen Bezeichnung „§-6-Bescheinigung“ entspricht genauer der Nachweis über das erfolgreiche Ablegen der Prüfung der fachlichen Qualifikation in der Elektrotechnik.
Was dauerhaft gilt und was erneuert werden muss
Die meisten Missverständnisse entstehen dadurch, dass der Ausbildungsnachweis mit dem nach der Prüfung ausgestellten Nachweis verwechselt wird.
| Nachweis oder Voraussetzung | Was damit nachgewiesen wird | Gültigkeit |
|---|---|---|
| Gesellenbrief oder Abiturzeugnis | Abgeschlossene Berufsausbildung | Verfällt nicht, berechtigt allein jedoch nicht zur selbstständigen Arbeit |
| Praxisbescheinigung | Dauer und Ausrichtung der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit | Wird anhand der geforderten Tätigkeit beurteilt |
| Einweisung | Unterweisung in Vorschriften, Risiken und Arbeitsverfahren | Muss zur konkreten Tätigkeit und zum Prüfungsumfang passen |
| Prüfungsnachweis nach § 6 | Geprüfte fachliche Qualifikation im angegebenen Umfang | Drei Jahre ab dem Ausstellungsdatum (§ 19 Abs. 2 Buchst. b) des zákon č. 250/2021 Sb.); zusätzlich regelmäßige Schulung nach der internen Vorschrift (§ 3 Abs. 4 der Verordnung) |
| Festlegung der Tätigkeiten durch den Arbeitgeber | Welche Arbeiten der Beschäftigte im konkreten Unternehmen ausführen darf | Abhängig von Arbeitseinsatz, Risiken und örtlichen Vorschriften |
Die Dreijahresfrist beginnt also nicht „mit dem Abitur“, sondern am Tag der Ausstellung des Prüfungsnachweises. Festgelegt ist sie in § 19 Abs. 2 Buchst. b) des zákon č. 250/2021 Sb. Auch die frühere vyhláška č. 50/1978 Sb. schrieb in den §§ 5 bis 8 eine Wiederholungsprüfung mindestens alle drei Jahre vor. Dasselbe Gesetz hob sie mit Wirkung zum 1. Juli 2022 auf (§ 25 Punkt 15); heute ergibt sich die Frist jedoch unmittelbar aus dem Gesetz.
Welche Ausbildung anerkannt wird
In der Praxis handelt es sich meist um einen mittleren Bildungsabschluss mit Gesellenbrief oder Abitur aus der Fachgruppe 26 Elektrotechnik, Telekommunikations- und Computertechnik. Typische Fachrichtungen sind Elektrikář (26-51-H/01), Elektrotechnika (26-41-M/01) oder Mechanik elektrotechnik (26-41-L/01).
Für § 6 begründet das Abitur keinen größeren Berechtigungsumfang als ein Gesellenbrief. Entscheidend ist, ob es sich um eine elektrotechnische Qualifikation handelt und ob sie der vorgesehenen Tätigkeit entspricht.
Ein Abitur an einem Gymnasium, einer Handelsakademie oder in einer anderen nicht elektrotechnischen Fachrichtung reicht nicht allein deshalb aus, weil Physik oder einige Stunden Elektrotechnik zum Unterricht gehörten. Geht die fachliche Ausrichtung aus dem Zeugnis nicht eindeutig hervor, sollten Sie sich noch vor der Prüfungsanmeldung von der Schule den Inhalt der Ausbildung bestätigen lassen.
Wer keinen entsprechenden Abschluss besitzt, sucht häufig den Weg über eine Umschulung. Was dieser Weg ermöglicht und wo seine Grenzen liegen, erläutert der Artikel Umschulung zum Elektriker und Prüfung nach § 6.
Wie viel Praxis ein Berufsanfänger benötigt
Die Verordnung legt keine einheitliche Dauer der Berufspraxis für alle Elektrotechniker fest. Die erforderliche Mindestpraxis bestimmt die juristische Person oder die unternehmerisch tätige natürliche Person anhand der Risikobeurteilung, der Anlagenart und der auszuführenden Tätigkeiten. Sie hält diese in der örtlichen Betriebssicherheitsvorschrift fest.
Für Personen ohne elektrotechnische Praxis schreibt die Verordnung eine Beaufsichtigung von mindestens einem Jahr vor. Die Aufsicht übernimmt eine fachkundige Person mit wenigstens zwei Jahren Berufspraxis.
Das Bestehen der Prüfung ersetzt somit nicht die betriebliche Einarbeitung. Ein Absolvent kann bereits über den Prüfungsnachweis verfügen und im ersten Jahr dennoch unter Aufsicht arbeiten müssen.
Bei der Einstellung eines Absolventen reicht es deshalb nicht aus, festzustellen, ob er „§ 6 hat“. Fragen Sie außerdem:
- An welchen Anlagen hat er tatsächlich gearbeitet?
- Waren es Anlagen derselben Art und Spannungsebene wie am neuen Arbeitsplatz?
- Hat er nur im Rahmen der praktischen Schulausbildung oder auch bei einem Arbeitgeber gearbeitet?
- Wer wird in Ihrem Unternehmen die Aufsicht übernehmen, und verfügt diese Person über die erforderliche Praxis?
- Welche Aufgaben darf der Absolvent vorerst nicht selbstständig ausführen?
Die Praxis wird anhand ihres Inhalts beurteilt, nicht anhand der Stellenbezeichnung. Erfahrung mit Hausinstallationen weist für sich genommen weder Erfahrung mit Schaltschränken einer Produktionslinie noch mit explosionsgefährdeten Bereichen oder Hochspannungsanlagen nach.
Wie die Berufspraxis aussagekräftig nachgewiesen wird
Die Aussage „Er hat zwei Jahre als Elektriker gearbeitet“ liefert einem Unternehmen nur wenige verwertbare Informationen. Eine Praxisbescheinigung sollte mindestens Folgendes enthalten:
- Zeitraum von–bis,
- ausgeübte Position,
- Art der elektrischen Anlagen,
- Spannungsebene,
- ausgeführte Tätigkeiten, beispielsweise Montage, Wartung, Diagnose oder Messungen,
- Angabe, ob selbstständig, unter Aufsicht oder unter Überwachung gearbeitet wurde,
- Name und Unterschrift des Arbeitgebers oder einer bevollmächtigten Person.
Bei Absolventen sollten die einzelnen Einarbeitungsphasen ebenfalls dokumentiert werden. Das Unternehmen kann dadurch nachweisen, wer die Aufsicht übernommen hat, wie lange sie dauerte und an welchen Anlagen der Beschäftigte Erfahrungen gesammelt hat. Wie sich eine solche Dokumentation für das gesamte Team führen lässt, beschreibt der Artikel Elektrotechnische Qualifikationen der Beschäftigten: Dokumentation und Kontrolle.
Das Abschlusszeugnis ersetzt diese Aufzeichnung nicht. Es bestätigt, dass die betreffende Person das Fach studiert hat, nicht aber, dass sie ein Jahr lang an bestimmten Schaltschränken gearbeitet hat.
Was der Ausstellung des Nachweises vorausgeht
Vor der Prüfung findet eine Einweisung statt, die dem geforderten Umfang der Qualifikation entspricht. Der Geltungsbereich des Nachweises wird insbesondere unterschieden nach:
- Spannung – bis 1 kV Wechselspannung und 1,5 kV Gleichspannung oder ohne Spannungsbegrenzung,
- Umgebung – Bereiche ohne oder mit Explosionsgefahr,
- Tätigkeiten, die die betreffende Person tatsächlich ausführen soll.
Die Prüfung wird vor einer dreiköpfigen Kommission abgelegt. Den Vorsitz führt eine gemäß § 11 des zákon č. 250/2021 Sb. für Revisionen fachlich qualifizierte Person; bei Betreibern von Übertragungs- und Verteilungsnetzen darf auch die verantwortliche Person des Betreibers den Vorsitz übernehmen. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Geprüft werden Kenntnisse der Vorschriften, des Arbeitsschutzes und der Ersten Hilfe bei Stromunfällen. Den Ablauf beschreibt ausführlich der Artikel Prüfung der fachlichen Qualifikation in der Elektrotechnik: Ablauf und Kommission.
Zwei Beschäftigte mit „§ 6“ müssen daher nicht denselben Qualifikationsumfang besitzen. Prüfen Sie immer, was im jeweiligen Nachweis tatsächlich angegeben ist.
Was beim Eintritt eines Absolventen zu tun ist
Eine juristische Person oder eine unternehmerisch tätige natürliche Person muss gemäß § 3 des nařízení vlády č. 194/2022 Sb. sicherstellen, dass Tätigkeiten an elektrischen Anlagen von fachlich qualifizierten Personen ausgeführt werden. Es reicht daher nicht aus, sich darauf zu verlassen, dass ein neuer Beschäftigter „Abitur und Prüfung hat“.
Vor der Zuweisung von Arbeiten empfehlen wir:
- den Ausbildungsnachweis und den Umfang des Prüfungsnachweises zu kontrollieren,
- diesen Umfang mit der tatsächlich im Unternehmen ausgeübten Tätigkeit zu vergleichen,
- die gesundheitliche Eignung zu prüfen,
- die erforderliche Praxis und eine gegebenenfalls nötige Aufsicht festzulegen,
- den Beschäftigten mit den örtlichen Risiken und Arbeitsverfahren vertraut zu machen,
- schriftlich festzulegen, welche Tätigkeiten er ausführen darf.
Die regelmäßige Schulung nach § 3 Abs. 4 findet zu den in der internen Vorschrift des Arbeitgebers festgelegten Terminen statt. Verfügt der Arbeitgeber über keine solche Vorschrift, muss sie mindestens einmal jährlich durchgeführt werden. Die Schulung ersetzt jedoch nicht die Prüfung: Der Nachweis verliert nach drei Jahren seine Gültigkeit und eine erneute Prüfung ist erforderlich.
Regelmäßige Schulung, Wissenskontrolle und Arbeitgeberwechsel
Das nařízení vlády č. 194/2022 Sb. regelt in § 9 Abs. 3 und Anlage Nr. 2 das Muster des Nachweises, nennt jedoch nicht dessen Gültigkeitsdauer. Diese legt § 19 Abs. 2 Buchst. b) des zákon č. 250/2021 Sb. fest: drei Jahre ab dem Ausstellungsdatum. Gemäß § 4 Abs. 1 der Verordnung gilt eine fachkundige Person, deren Wiederholungsprüfung ihre Gültigkeit verloren hat, als unterwiesene Person. Den Status einer fachkundigen Person erlangt sie erst durch das erneute erfolgreiche Ablegen der Prüfung zurück.
Neben der Prüfung verlangt die Verordnung eine regelmäßige Schulung nach § 3 Abs. 4. Die Termine legt die interne Vorschrift des Arbeitgebers fest; besteht keine solche Vorschrift, muss die Schulung mindestens einmal jährlich stattfinden. Es handelt sich um zwei getrennte Pflichten – die jährliche Schulung verlängert die dreijährige Gültigkeit des Nachweises nicht. Gemäß § 9 Abs. 6 können die Schulung und der Teil der Prüfung, der Arbeitsverfahren und Risiken betrifft, durch eine Bestätigung der verantwortlichen Person ersetzt werden. Darin muss bestätigt werden, dass der Beschäftigte in den durch die internen Unternehmensvorschriften festgelegten Abständen an Schulungen mit abschließender Wissenskontrolle teilnimmt. Wie die Wiederholungsprüfung abläuft, erläutert ein eigener Artikel.
Ein Arbeitgeberwechsel allein macht den Nachweis nicht ungültig. Das neue Unternehmen prüft jedoch seinen Geltungsbereich, sorgt für die Einweisung in die örtlichen Bedingungen und legt erneut fest, welche Tätigkeiten der Beschäftigte ausführen darf. Der Nachweis kann außerdem auf bestimmte Tätigkeiten beschränkt sein. Daher genügt es nicht, lediglich zu kontrollieren, ob er vorhanden ist.
Nach der Übergangsbestimmung in § 10 des nařízení vlády č. 194/2022 Sb. gelten vor dem 1. Juli 2022 ausgestellte Bescheinigungen als Nachweis der fachlichen Qualifikation nach dieser Verordnung. Als Elektrotechniker gelten danach sowohl „pracovník znalý“ als auch „pracovník znalý pro samostatnou činnost“ nach den früheren Vorschriften.
Prüfungstermine in Brünn
SOHE veranstaltet offene Prüfungen der fachlichen Qualifikation in der Elektrotechnik in Brünn immer am zweiten Freitag im Monat. Im Juli und August schreiben wir keinen Termin aus; eine Prüfung im Sommer ist nach Absprache oder auf Anfrage möglich. Aktuelle Termine und die Anmeldung zu einem bestimmten Termin finden Sie auf der Seite Elektro-Schulungen und Prüfungen.
Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Abschlusszeugnis und Ihre Berufspraxis für den gewünschten Umfang ausreichen, senden Sie uns die Unterlagen über die unverbindliche Anfrage. Wir prüfen sie vor dem Termin und empfehlen Ihnen den passenden Prüfungsumfang. Bringen Sie den Ausbildungsnachweis im Original oder als amtlich beglaubigte Kopie zur Prüfung mit. Eine unklare fachliche Ausrichtung sollten Sie vorab durch eine Bestätigung der Schule klären und nicht erst vor der Kommission.
Quellen und weiterführende Informationen
- Elektrotechnische Schulungen und Prüfungen – Dienstleistung von SOHE.
- So erhalten Sie die elektrotechnischen Qualifikationen – der Weg von der Ausbildung bis zur Prüfung.
- Erneuerung und Wiederholungsprüfung der elektrotechnischen Qualifikation – wann und wie der Nachweis erneuert wird.
- Übungsfragen für die Elektrotechnikerprüfung nach § 6 und § 7 – Vorbereitung auf den schriftlichen Teil.
- Nařízení vlády č. 194/2022 Sb. – Anforderungen an die fachliche Befähigung für Tätigkeiten an elektrischen Anlagen und in der Elektrotechnik.
- Zákon č. 250/2021 Sb. – Arbeitssicherheit an ausgewählten technischen Anlagen; § 19 Abs. 2 Buchst. b) legt die dreijährige Gültigkeit des Prüfungsnachweises fest, § 11 regelt Revisionstechniker und § 25 Punkt 15 hob die vyhláška č. 50/1978 Sb. auf.
Dieser Text dient ausschließlich der Information und ersetzt keine rechtliche Beratung. Der konkrete Umfang von Qualifikation, Praxis und Aufsicht muss anhand des tatsächlichen Betriebs, der Anlagenart, der Umgebung und der Risikobeurteilung festgelegt werden.
Möchten Sie prüfen lassen, ob die Qualifikation und Berufspraxis Ihres Beschäftigten für den gewünschten Umfang ausreichen, oder ihn zur Prüfung in Brünn anmelden? Senden Sie uns eine unverbindliche Anfrage oder schreiben Sie an info@sohe.cz. Wir prüfen die Unterlagen noch vor dem Prüfungstermin.